Semantische Interoperabilität

Semantische Standards

Semantische Standards ermöglichen eine eindeutige Kodierung von Informationen, unabhängig von Kontext oder Sprache. So können medizinische Daten von verschiedenen IT-Systemen automatisch und korrekt interpretiert werden. Die semantische Interoperabilität, die sich aus dieser standardisierten Kodierung des Informationsgehalts ergibt, erleichtert den schnellen Austausch von Gesundheitsinformationen unabhängig vom jeweiligen System zur Verarbeitung dieser Informationen.

Semantische Interoperabilitaet


Warum semantische Standards verwenden?

Unser Verständnis einer Information hängt stark vom Kontext ab: Man kann sich auf eine Bank setzen oder dort ein Sparkonto eröffnen. Damit IT-Systeme medizinische Informationen korrekt und eindeutig interpretieren können, ist eine Kodierung erforderlich. Jedem medizinischen Datensatz und Inhalt wird daher ein eindeutiger Code zugeordnet, der unabhängig von Sprache, Land, medizinischem Fachgebiet, Abkürzung oder Schreibweise stets dieselbe Bedeutung hat.

Klassifikationen versus Terminologien

Es gibt zwei Arten von semantischen Standards: Klassifikationen und Terminologien. Klassifikationen ordnen medizinische Informationen und die ihnen zugewiesenen Codes hierarchisch und linear nach dem Modell eines Klassifikationsbaums. Die Beziehungen eines Begriffs, beispielsweise „Asthma“, bestehen ausschliesslich aus anderen, übergeordneten Begriffen (Lungenentzündung) oder spezifischeren Begriffen (allergisches Asthma). Klassifikationen sind besonders im Rahmen der Abrechnung und Statistik nützlich.

Terminologien ermöglichen es, zusätzliche Beziehungen hinzuzufügen, wie beispielsweise die Lokalisation am Körper oder den Schweregrad, aber auch verschiedene Übersetzungen oder ähnliche Begriffe. Dank ihrer Flexibilität und ihrer höheren Präzision eignen sich Terminologien vor allem für medizinische Anwendungen und die Forschung.  

Welche Standards sind für welche Daten geeignet?

Die «Expertengruppe Semantik» hat im November 2015 das Dokument «Ausblick semantische Standards für eHealth in der Schweiz» erarbeitet. Es erläutert Grundlagen der Semantik und zeigt auch die Komplexität der semantischen Interoperabilität und Probleme heutiger Ordnungssysteme auf. Die Autoren empfehlen mögliche Massnahmen zur Ausarbeitung einer Semantikstrategie.

Als Folgearbeit hat die Expertengruppe Semantik eine Standortbestimmung erarbeitet, in der sie den aktuellen Stand ihrer Arbeiten aufzeigt und die nächsten Massnahmen aufgrund der Empfehlungen des Berichts festlegt.

Externer Link: Bericht: Ausblick semantische Standards für eHealth in der Schweiz (1.5 MB, 02.10.23)Externer Link: (800 KB, 02.10.23)

Projekt „Semantische Standards von DigiSanté“

Das vom Bundesamt für Statistik im Rahmen des DigiSanté-Programms geleitete Projekt befasst sich mit der harmonisierung der Kodierung medizinischer Informationen beim Austausch von Gesundheitsdaten, d. h. mit der Definition, Entwicklung und Interoperabilität semantischer Standards. eHealth Suisse beteiligt sich an diesem Projekt zur Entwicklung und Nutzung des Standards SNOMED CT, für den es in der Schweiz als National Release Center (NRC) fungiert.

Externer Link: Zielen und Meilensteinen des Projekts „Semantische Standards“

SNOMED CT

Im medizinischen Alltag ist eine hohe Detailgenauigkeit notwendig. Um medizinische Informationen ausreichend detailliert zu codieren, damit diese Informationen unmittelbar sinnvoll weiterverwendet werden können, bedarf es eines gemeinsamen und umfassenden Codierungssystem.

SNOMED CT ist eine internationale medizinische Terminologie für genau diesen Zweck. Im Gegensatz zu klassischen Klassifikationssystemen bietet SNOMED CT die Möglichkeit, einzelne Begriffe miteinander in Beziehung zu setzen und dadurch inhaltlich zu präzisieren. Medizinische Sachverhalte können so nicht nur benannt, sondern auch in ihrem Zusammenhang beschrieben werden.

Interner Link: SNOMED CT entdecken und nutzen

Interner Link: National Release Center für die Schweiz

Positionspapier zur semantischen Interoperabilität in der Schweiz

Das Positionspapier zeigt auf, warum die Schweiz eine gemeinsame semantische Grundlage für Gesundheitsdaten benötigt und wie ein übergreifender Semantic Layer aufgebaut werden kann. Im Zentrum steht die Verbindung mehrerer medizinischer Basisterminologien – mit SNOMED CT als wichtigem, aber nicht alleinstehendem Bestandteil. Das Papier schafft eine gemeinsame Basis für die weitere Harmonisierung klinischer Daten und bildet eine fachliche Grundlage für zukünftige Arbeiten in DigiSanté und im Gesundheitsdatenraum Schweiz (SwissHDS).

Beteiligt an der Erarbeitung waren verschiedene Organisationen aus dem Gesundheitswesen, unter anderem Fachgesellschaften, Spitäler und Behörden, die ihre fachliche Perspektive eingebracht und die inhaltliche Ausrichtung mitgestaltet haben: Unispital Genf, Inselspital, Bundesamt für Statistik, Ergotherapie Verband Schweiz, FMH (Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte), H+ (Die Spitäler der Schweiz), SBK (Schweizer Berufsverband für Pflegefachpersonal ), IPAG eHealth (Interprofessionelle Arbeitsgemeinschaft eHealth), mfe (Haus- und Kinderärzte Schweiz) und Spitex.

Externer Link: Positionspapier zur semantischen Interoperabilität (468 KB, 16.02.26)