Technische Standards

Wichtige Standards im EPD-Kontext

In der Schweizer eHealth-Architektur wurde von Beginn an versucht, mit bestehenden nationalen und internationalen technischen Standards zu arbeiten. So konnten vorangehende Erfahrungen und Umsetzungen genutzt werden. Für Anforderungen, die sich speziell in der Schweiz stellen, wurden einige der Standards erweitert oder angepasst.

IHE

IHE (Integrating the Healthcare Enterprise) ist eine internationale Initiative mit dem Ziel, den technischen Datenaustausch und die Interoperabilität von IT-Systemen im Gesundheitswesen zu verbessern. Sie fördert existierende Standards wie DICOM oder HL7 und deckt klinische Anforderungen im Datenaustausch ab. Dazu wurden IHE Technical Frameworks erarbeitet, welche beschreiben, wie die existierenden Kommunikationsstandards eingesetzt werden, um einen fehlerfreien Datenaustausch zu ermöglichen.

In den IHE Technical Frameworks werden Anwendungsszenarien beschrieben, in denen Interaktionen zwischen mehreren Computersystemen erforderlich sind. An sogenannten «Connectathons» (CAT)  werden die Integrationen getestet. Firmen, welche die Anforderungen der IHE Integrationsprofile abdecken, können daran teilnehmen.

IHE wurde im Jahr 1998 in den USA von den Organisationen HIMSS (Healthcare Information and Management System Society) und RSNA (Radiology Society of North America) ins Leben gerufen. Mittlerweile ist IHE zu einer weltweiten Initiative mit mehreren Länderorganisationen geworden und so wurde im Jahr 2010 in der Schweiz die IHE Suisse gegründet. Der Verein IHE Suisse engagiert sich für die Umsetzung der Strategie eHealth Schweiz. Er ist die Plattform zur Evaluation und Erarbeitung von IHE-Profilen, welche die Strategieumsetzung unterstützen.

HL7

Der speziell für das Gesundheitswesen entwickelte internationale Datenstandard HL7 (Health Level Seven) ermöglicht die Kommunikation und Kooperation zwischen nahezu allen Institutionen und Bereichen des Gesundheitswesens.

HL7 ist 1987 in den USA entstanden und liefert in erster Linie Spezifikationen für die Darstellung von medizinischen Daten und Informationen, welche mittels verschiedener Kommunikationsprotokolle transportiert werden können. Die Kommunikationsprotokolle selber sind nicht Gegenstand von HL7. Diese Tatsache will die Bezeichnung «HL7» ausdrücken: HL7 bewegt sich ausschliesslich auf der 7. Schicht – die sogenannte Applikationsschicht –des ISO/OSI-Schichtenmodells der Kommunikation.

Im Kontext von eHealth Schweiz wird HL7 vor allem für die Nachrichtenübertragung verwendet. Es ist ein wesentlicher Bestandteil der IHE-Profile, die im EPD gesetzlich gefordert werden. Ein weiterer Anwendungsfall für den HL7-Standard ist die Nutzung des Dokumentenaustausch-Standards „HL7 CDA“

ART-DECOR

eHealth Suisse hat 2016 entschieden, dass alle nationalen HL7-CDA-Austauschformate mit dem international entwickelten Tool ART-DECOR entwickelt und gepflegt werden. Dieses Tool von HL7 International erlaubt eine korrekte Modellierung von HL7-CDA-Bausteinen, die in verschiedenen Kombinationen wiederverwendet werden können. Zusammen mit HL7 Schweiz soll so ein „Baukasten von Schweiz-spezifischen HL7-CDA-Bausteinen“ entstehen, um verschiedene Anwendungsfälle abzudecken. Via ART-DECOR können auch Vorarbeiten von anderen Ländern und Projekten wiederverwendet werden.

eHealth Connector

Der «eHealth Connector» wurde entwickelt, um für Anbieter von Informationssystemen die Eintrittshürde in die «IHE/CDA-Welt» des elektronischen Patientendossiers (EPD) zu senken. Der „eHealth Connector“ stellt die notwendige Funktionalität bereit, mit der grundsätzlich beliebige CDA-Dokumente, aber insbesondere die Austauschformate gemäss eHealth Suisse erzeugt, gesendet, empfangen und verarbeitet werden können (z.B. eImpfdossier). Zudem unterstützt der eHealth Connector die Kommunikation mit der Infrastruktur von Gemeinschaften (z.B. Master Patient Index oder EPD-Dokumentenablage).

Die hohe Komplexität der implementierten Standards wird durch den „eHealth Connector“ gekapselt und über eine einfach zu handhabende Programmierschnittstelle (Convenience-API) zur Verfügung gestellt. Das erste Release der Open Source Software des eHealth Connectors wurde im April 2015 veröffentlicht. Seitdem sind halbjährlich neue qualitätsgesicherte Releases des eHealth Connectors verfügbar.

Personal Connected Health Alliance (PCHA)

Die PCHA ist eine Nonprofit Organisation der HIMSS, die sich für die standardisierte Anbindung von mobilen Geräten und Applikationen im medizinischen Umfeld engagiert. Dafür veröffentlicht sie regelmässig sogenannte „Continua Design Guidelines“ und entwickelt diese weiter – analog zu den IHE-Profilen. Im Kontext von mHealth-Anwendungen in der Schweiz könnten diese Guidelines eine zunehmend wichtige Rolle spielen um ein Mindestmass an Qualität und Interoperabilität zu garantieren.