Austauschformate

Für eine einheitliche Daten-Kommunikation

Austauschformate ermöglichen den einfachen Datenaustausch zwischen verschiedenen IT-Systemen der Gesundheitsfachpersonen, ohne dass eine spezielle Absprache erforderlich wird. In den Spezifikationen der Austauschformate sind die technischen, syntaktischen und semantischen Standards definiert, die für den einheitlichen Informationsaustausch notwendig sind. Ziel ist es, den Datenaustausch im Gesundheitswesen zu vereinheitlichen, insbesondere hinsichtlich des elektronischen Patientendossiers (EPD). eHealth Suisse setzt für die Erarbeitung von neuen Austauschformaten auf den HL7 FHIR Standard.

EPD-relevante Austauschformate

Die Austauschformate eMedikation und eImpfdossier sind prioritäre Anwendungsfälle für das EPD und 2022 für die Aufnahme in die EPD-Rechtsgrundlage vorgesehen. Sie wurden mehrfach an EPD-Projectathons getestet und angehört.

Folgende Austauschformate wurden 2021 in einer ersten Version veröffentlicht und ballotiert, das heisst gemäss den Regeln der Standardisierungsorganisation HL7 Schweiz angehört.

Direktionale Kommunikation

Aufträge, Zuweisungen und Anforderungen von Berichten oder Zweitmeinungen spielen im vernetzten Gesundheitswesen eine grosse Rolle und wurden deshalb in den nationalen Empfehlungen zu den Zusatzdiensten als prioritäre Anwendungsfälle definiert. Das «Swiss eHealth Exchange Format Handbook; Part I: Service Requests» basiert auf dem Order & Referral by Form-Implementation Guide (CH:ORF), welcher seinerseits von FHIR Structured Data Capture (SDC) abgeleitet ist. Das Handbook legt die Grundlagen fest für die Ausarbeitung von Austauschformaten für die direktionalen Anwendungsfälle.

Die Formate CH ORF, CH LAB-Order und CH RAD-Order wurden 2021 in einer ersten Version veröffentlicht, am Projectathon getestet und angehört.

Weitere Austauschformate

Laborbefund im Transplantationsprozess

Dieses Austauschformat wird seit 2017 im Universitätsspital Zürich eingesetzt. Einführung in weiteren Transplantationszentren sind in Planung. 

Laborbefund im Transplantationsprozess

Sozialmedizinisches Überweisungsdokument

Dieses Austauschformat wird von den meisten Gesundheitsfachkräften im Kanton Waadt verwendet.

Sozialmedizinisches Überweisungsdokument 

Online-Validator

Mit Hilfe des «Online Validator» Service können die Austauschformate geprüft werden, ob sie zu den nationalen Spezifikationen konform sind. 


Informationen zu den einzelnen Austauschformaten

Austauschformate für die eMedikation

Die Interprofessionelle Arbeitsgruppe IPAG hat 2017 Vorgaben zum Austauschformat erarbeitet. Das Resultat dieser Arbeiten wurde mit dem IHE Community Medication Prescription and Dispense (CMPD) Profile harmonisiert, welches ebenfalls solche Austauschformate (documents) für den eMedikationsprozess definiert. Das Faktenblatt von eHealth Suisse listet, erklärt und verbindet die diversen Dokumente und Austauschformate zur eMedikation und zeigt das weitere Vorgehen auf.

Nationale Architektur für die eMedikation

Die Arbeitsgruppe eMedikation von eHealth Suisse hat 2019 die Architektur für die eMedikation im EPD erarbeitet: Die Daten zur eMedikation sollen für jeden Patienten in seiner eigenen Stammgemeinschaft gespeichert werden – im Unterschied zu den EPD-Dokumenten, welche von den Leistungserbringern dezentral in deren jeweiligen (Stamm-)Gemeinschaften gespeichert werden. Ebenfalls in der Verantwortung der Stammgemeinschaft des Patienten ist der Betrieb eines sogenannten eMedication-Services, unter anderem für die Aktualisierung der Medikationsübersicht.

Vom 20. November 2020 bis zum 19. Februar 2021 führte eHealth Suisse eine öffentliche Anhörung zum Architekturkonzept für die eMedikation im EPD durch. Aus dieser Anhörung wurde klar, dass die Abbildung der Prozesse der Medikation im EPD zwar erwünscht ist, insbesondere die (Stamm-)Gemeinschaften und Plattformanbieter sich jedoch kritisch zur vorgeschlagenen Architektur äussern. Vorläufig werden die Facharbeiten zu Phase 3 (Architektur) vonseiten eHealth Suisse nicht vorangetrieben und stattdessen auf die Phase 2 (Einführung Medikationsplan, vgl. Factsheet) fokussiert. Die Stammgemeinschaft CARA plant, die eMedikations-Architektur im Rahmen einer Referenz-Implementierung zu testen. eHealth Suisse wird diese Arbeiten begleiten. Entsprechend laufen Gespräche, wie die Rückmeldungen aus der Anhörung in das Pilotprojekt einfliessen können.

eToC / eÜberweisungsbericht

Im Bericht zum «eÜberweisungbericht» vom Dezember 2018 werden Empfehlungen für den interdisziplinären Gebrauch der bei Behandlungsübergängen wichtigsten Informationsmodule formuliert. Diese sollen in elektronischen Dokumenten der «Transition of Care» (eToC), also Übertritte und Behandlungsübergänge, für die interprofessionelle Kommunikation angewendet werden. Die vorliegenden Datenmodule können unabhängig voneinander in verschiedenen Dokumenten wie beispielsweise Austrittsberichten zur Anwendung kommen.

Austauschformat eImpfdossier

Das elektronische Impfdossier (eImpfdossier) geht weiter als der Papier-Impfausweis: Es kann neben den Impfdaten auch Informationen enthalten, die im Zusammenhang mit Impfungen wichtig sein können, zum Beispiel bisherige Krankheiten, Allergien oder der Immunstatus. Zusätzlich ist es auch geeignet für die Anfrage von Impfempfehlungen an sogenannte CDSS, Clinical decision support systems.

eAllergien und Intoleranzen

Im Bericht «eAllergien und Intoleranzen» vom Dezember 2019 formuliert die IPAG EPD inhaltliche Empfehlungen für die Ausarbeitung eines Austauschformates zu Allergien und Intoleranzen. Da Allergien und Intoleranzen wesentliche Gesundheitsinformationen sind, die im Gesundheitssystem häufig erhoben und verwendet werden, sollen die behandlungsrelevanten Daten in einem Austauschformat beschrieben werden. Damit können die Dateninhalte vielfältig wiederverwendet und der intra- und interprofessionelle Informations- und Kommunikationsaustausch gefördert werden.

CH ORF

Das Order & Referral by Form (CH ORF) Profil beschreibt, wie Formulare für elektronische Zuweisungen und Informationsanfragen (wie z. B. diagnostische Bildgebungsergebnisse, Laborergebnisse, Entlassungsberichte etc.) definiert, eingesetzt und verwendet werden können, um einen syntaktisch und semantisch konsistenten übergreifenden Informationsaustausch zu erreichen.

CH LAB-Order

Der CH LAB-Order basiert auf dem CH ORF Implementation Guide für Order & Referral. Dieses Austauschformat wird im Laborbereich eine elektronische Verordnung von Tests und Analysen verwendet.

CH RAD-Order

Basierend auf dem CH ORF Implementation Guide für Order & Referral wird dieses Austauschformat in der Radiologie verwendet, um einen syntaktisch und semantisch konsistenten übergreifenden Informationsaustausch zu erreichen.

Austauschformat Laborbefunde im Transplantationsprozess

eHealth Suisse hat das Dokument «Austauschformat Laborbefunde im Transplantationsprozess» am 29. Januar 2014 genehmigt. Dieser Implementierungsleitfaden beschreibt die Meldung von Spender- und Empfänger-Labordaten an «Swiss Organ Allocation System» (SOAS), definiert ein einheitliches Format für die Labordatenübermittlung und gibt normativ die entsprechenden Spezifikationen vor. Ausschlaggebend für die Ausarbeitung des Austauschformats war das Ziel, den hohen Zeitaufwand sowie die Fehlerquote der Daten aufgrund manueller Eingabe möglichst zu verringern. Dies bedingt die semantische Interoperabilität der beteiligten Systeme.

Sozialmedizinisches Überweisungsdokument

Das sozialmedizinische Überweisungsdokument ist ein standardisiertes kantonales Dokument. Es wird eingesetzt, um die Kontinuität der Informationen über einen Patienten bei dessen Überweisung zu gewährleisten. Das sozialmedizinische Überweisungsdokument enthält notwendige Informationen. Dies sind insbesondere administrative Informationen sowie eine Kontaktliste (Betreuer, Familie und Angehörige), der Grad der Selbstständigkeit, die Gesundheitsbilanz und Informationen für den Tag der Verlegung.

Letzte Änderung 09.05.2022